Im Klartext: Bankbesuche in Südamerika können ganz schön zeit- und nervenraubend sein…
Steh ich also gestern in der Bank. 6 Schalter, 4 besetzt, 19 Leute vor mir in der Schlange. An der Wand hängt ein übergrosses „Oelgemälde“ welches Jesus zeigt, inklusive kitschigem verschnörkelten Goldrahmen. (Eigentlich wollte ich ja jetzt „weiss der Teufel was das in einer Bank zu suchen hat“ schreiben, geht aber nicht…).
Die Schalterangestellten sind hier eigentlich immer junge Leute. Toll, denkt man sich, nett, aufgestellt und freundlich. Denkste. Ich glaube die müssen zuerst in einen 2wöchigen Kurs, bevor man die auf die Kunden loslässt. Kurstitel: „Wie bediene ich Kunden möglichst unfreundlich“.
Halt, soweit sind wir aber noch nicht, ich stehe ja immer noch in der Warteschlange. 17 Leute noch vor mir. Plötzlich wird uns verkündet, dass das Computersystem nur sehr langsam arbeitet. Was das auch immer heissen will. Klar wird es mir dann, als die Schalterangestellten anfangen sich gegeneinander mit Papierzettelchen zu bewerfen und gelangweilt auf dem Stuhl herumrutschen. Nix geht mehr. Jede Kundentransaktion dauert so zwischen 5 und 10 Minuten.
Ich habe also kurz Zeit, mir zu überlegen, wieso ich überhaupt in der Warteschlange stehe. Ich will ja eigentlich nur 50 Dollar von meinem Geschäftskonto abheben. Ach ja – Geldautomatenkärtchen gibts ja nicht für Geschäftskonti. Nur für Privatkonti. Wieso, weiss kein Schwein, ist einfach so. Also muss ich jedesmal wenn ich ein wenig Geld in Bar von meinem Geschäftskonto brauche, einen Check auf meinen eigenen Namen ausfüllen und an den Schalter dackeln um ihn dort in Bargeld umzutauschen.
Die Leute in der Warteschlange werden langsam unruhig. Einer fängt an halblaut gegen Gott und die Welt, aber besonders gegen die Bank zu wettern. Die anderen Leuten in der Schlange lassen sich sofort anstecken und innert einer Minute ist die völlige Pöbelei im Gange. Da wird jeder angemotzt, ob Wachpersonal oder Bankangestellter der durch die Halle huscht. Schneller wird das Computersystem deswegen auch nicht, aber irgendwie muss das den Leuten guttun…
Schalter No. 6 ist nur für Pensionierte, Leute im Rollstuhl und Schwangere. Deshalb hat dieser Schalter auch eine eigene Warteschlange. Dort warten auch schon ca. 5 Personen, welche in die obengenannten Kategorien passen. No. 6 wird frei und eine Mittvierzigerin im teuren Kostüm bricht aus der Warteschlange der „Normalen“ aus und tigert schnurstracks auf den Schalter zu, dabei schneidet sie den Weg einer älteren Dame ab, welche auch zur No. 6 wollte. Diese wird kurzerhand angeschnauzt „Sie solle warten, sie hätte ja Zeit“ und als die Angestellte am Schalter No. 6 der Dame zu verstehen gibt, dass dieser Schalter speziell für ältere Leute sei, wird diese auch gleich in Grund und Boden beschimpft. Von „Scheissbank“ und „Sauerei“ über „ich hab nicht den ganzen Tag Zeit“ war alles dabei. Das Wachpersonal schiebt gelangweilt 10 Meter weiter seine Runden und tut so, als ob sie nix hören.
Noch 10 Leute vor mir in der Schlange. Die Zeit vergeht quälend langsam. Ein klein wenig Abwechslung kommt in die Geschichte, als ein gepanzertes Fahrzeug vor der Bank hält und drei schwerbewaffnete Geldtransporter aussteigen. Schusssichere Westen, Sonnenbrillen, Baseball-Caps, Pistole aus dem Holster gezogen. Echt, die fühlen sich wie die Rambos, wenn die Geld abholen kommen. Jeder Kunde wird misstrauisch beäugt, könnte ja ein Bankräuber sein. Dass bei der ganzen Show die elementarsten Sicherheitsregeln völlig ausser Acht gelassen werden (z.B. stehen alle 3 in die gleiche Richtung schauend irgendwo rum, was hinter deren Rücken passiert merken die gar nicht) ist nicht so wichtig, Hauptsache es „sieht gut aus“…. Nach 5 Minuten ist der Spuk vorbei und die Rambos verschwunden.
Endlich komme ich an die Reihe. Nach 45 Minuten in der Warteschlange.
Ich: „Hallo, guten Tag. Ich würde gerne diesen Check tauschen“
Bankangestellter: „Hmpf.“
Kritzelt irgendwas auf den Check, steckt ihn in den Drucker, zählt das Geld ab (natürlich immer so, dass es der Kunde nicht sehen kann), pfeffert mir meine ID-Karte und die 50 Dollar ins Ausgabefach, schaut gelangweilt an mir vorbei und ruft: „Nächster!“
Danke, war mir auch ein Vergnügen Kunde bei ihrer Bank zu sein. Auch Ihnen wünsche ich noch einen schönen Tag!