Ich bin ja öfters in verschiedenen deutschen Foren unterwegs, und in letzter Zeit habe ich bemerkt, dass immer mehr Nachrichten über die verschlechterte Zahlungsmoral in Europa auftauchen (sei es nun Deutschland, Schweiz oder Oesterreich zum Beispiel).
Sinn dieses Posts ist es nun definitiv nicht, den Lehrerzeigefinger zu heben und zu sagen „Seht mal her, hier ist es noch viel schlimmer, habt Mitleid mit mir“, sondern um vielleicht den einen oder anderen zu motivieren, indem er sieht, dass es Orte gibt wo die Zahlungsmoral richtig schlecht ist.
(Ich muss mir das jetzt einfach auch noch den Frust von der Seele schreiben – das ist der andere Grund für diesen Post…)
Ich hatte vor ner gewissen Zeit mal einen Händler (von nun an JPH genannt), der mir für ca. USD 5000 Ware gekauft hat. Zahlungsmodalitäten: Konsignation, er bezahlt jeden Monat was er verkauft hat. Eine der denkbar schlechtesten Zahlungsweisen, aber hier beginnt das Elend schon: In Südamerika wird unglaublich oft generell nur auf Konsignation verkauft. Hat die nette, kleine Nebenerscheinung dass der Händler sich überhaupt nicht verantwortlich fühlt für die Ware.
Und jetzt mal zur Abschreckung eine kurze chronologische Aufstellung was bisher passiert ist:
1.) Ich erfahre vor wenigen Monaten, dass der „Händler“ die gekaufte Ware einfach einem x-beliebigen anderen Händler übergeben hat. Ohne Bescheid zu sagen.
2.) Zufälligerweise war der andere Händler ein guter Kunde bei mir, hat mich also angerufen und mich über den Sachverhalt aufgeklärt. Nach längeren Telefonaten und Rücksprachen bin ich mir also mit JPH habe ich JPH eine Gutschriftsanzeige ausgestellt und mich persönlich um den Verkauf der Ware an den neuen Händler gekümmert.
3.) JPH hat nachdem die Gutschriftsanzeige aufs Kundenkonto gebucht wurde, USD 2′400 Schulden. Also angerufen und ihm um Zahlung gebeten. Antwort von JPH: Mein Buchhalter hat die Papiere nicht mehr, kannst Du die mir nochmals vorbeibringen. Klar. Macht man ja gerne (-nicht)…
4.) Persönlicher Besuch bei JPH, Kopien der Papiere abgegeben, Zusicherung erhalten, dass der Buchhalter „sich das Ganze anschauen wird“ und er dann Bescheid gibt.
5.) 2 Monate absolute Funkstille. Büro von JPH existiert plötzlich nicht mehr, Handynummer nicht mehr aktiv, keine Möglichkeit in zu kontaktieren
6.) Endlich eine Webseite von seiner Firma gefunden, mit neuer Handynummer drauf. Angerufen. JPH versichert erneut, „sein Buchhalter werde sich das Ganze anschauen“. Auf meinen Hinweis, dass er das schon vor 2 Monaten erwähnt hätte, bietet er mir an, sich mit mir zu einem Meeting zu treffen und seinen Buchhalter mitzubringen, um die Sache ein für alle mal zu klären. Ich frag mich ja wozu? Er hat Rechnungen und muss die bezahlen, Ende der Geschichte…
7.) Zum vereinbarten Zeitpunkt erscheint niemand. Weder der Buchhalter noch JPH. 2 Stunden später erreicht mich der Buchhalter telefonisch, er sei auf dem Weg, in ca. 20 Minuten sei er bei mir im Büro. Eine Stunde später erscheint der Buchhalter, ohne JPH. Der hätte „keine Zeit gehabt“. Präsentiert mir eine selbstgebastelte Abrechnung, wonach JPH mir nur USD 800 schulde, meine Aufstellung sei falsch. Beim durchchecken fällt auf, dass die aufgelisteten Rechnungsbeträge nicht mit meinen Rechnungen übereinstimmen und weitere fiktive Posten erfunden wurden, um den Schuldbetrag zu senken. Daraufhin angesprochen meint der Buchhalter, dass das so von JPH diktiert worden sei, er nichts wisse, keine Schuld habe und auch keine Verantwortung übernehme. (Anmerkung: Die absolut typische Standardausrede hier). Also Abrechnung neu gemacht, mit den richtigen Daten und Buchhalter übergeben. Der verspricht, mich in 2 Tagen anzurufen.
8.) Buchhalter ruft natürlich nie an. Eine Woche später erreiche ich ihn am Handy. Er sei anscheinend morgen bei JPH, ich solle um 11 Uhr morgens anrufen, um die Sache am Telefon zu dritt zu besprechen.
9.) Anruf um 11.20 Uhr (aufgrund meines Erfahrungswertes, dass die Leute nie ohne Ausnahme pünktlich sind). Buchhalter erzählt mir, er sei auf dem Weg zu JPH und in zirka einer Stunde dort… Eine Stunde später 5 Versuche den Buchhalter zu erreichen, nimmt Handy nicht mehr ab.
10.) Einen Tag später. Buchhalter nochmals angerufen, der meinte er hätte das Handy gestern im Auto liegengelassen, hätte aber das Meeting mit JPH durchgeführt. Toll, und was für einen Sinn hat das Ganze, wenn ich nicht anrufen kann??
11.) JPH direkt angerufen. Ihm erklärt, dass das Spielchen langsam sehr langweilig, mühsam, kosten- und zeitintensiv wird und ich bitteschön erwarte, dass er nun mal den Finger aus dem A…. nimmt, sich hinsetzt, die Aufstellung überprüft (obwohl die glasklar ist und ich beim besten Willen keine Ahnung habe, welches Recht er als Schuldner haben sollte, eine Aufstellung von unterschriebenen und gestempelten Rechnungen anzuzweifeln) und dann einen konkreten Lösungsvorschlag bringen soll.
Er hatte dann auch einen schnell zur Hand, noch während des Gesprächs: Er würde mir monatlich USD 100 von der Schuld abbezahlen. Aha. Toll. Dann warte ich ja nur 2 Jahre bis er eine Schuld abbezahlt „hätte“, die schon seit über einem Jahr besteht. „Hätte“ in Klammern, da dies er älteste Trick in Südamerika ist. Man verspricht Ratenzahlung, bezahlt 2, 3 Raten a USD 100 und verschwindet dann einfach von der Bildfläche.
Auf meine offensichtliche Ablehnung dieses „Vorschlags“ meinte er dann, er hätte noch verschiedene Ware rumliegen, Autoradios, Reifen, Felgen etc. und er würde mir diese als Bezahlung überlassen. Wohlverstanden – JPH ist nicht bankrott, sein Geschäft läuft, er arbeitet normal. Ist also keine Liquidation eines Unternehmens oder so.
Als ich auch diesen Vorschlag ablehne und ihm klarmache, dass wir eine offizielle Währung in diesem Land hätten und der Tauschhandel seit der Bronzezeit ausser Mode gekomen ist, wird er agressiv und erklärt mir, es sei ja meine Schuld, er würde „bezahlen wollen“ und ich würde das nicht akzeptieren. Eine weitere Diskussion über das Thema was als „Zahlungsmittel“ angesehen wird und was nicht, war fruchtlos.
Ich gebe ihm also Zeit bis am Montag, um einen Zahlungsplan auszuarbeiten, der für beide Seiten zufriedenstellend sei.
12.) Montag. Er ruft selbstverständlich nicht an. Am Freitag (!) derselben Woche rufe ich ihn an. Zuerst probiert er micht natürlich schamlos anzulügen – er hätte mich schon die ganze Woche probiert anzurufen. Als ich ihn dann gefragt habe, wieso er mich nicht aufs Handy angerufen hätte, musste er dann zugeben, er hätte die Nummer nicht mehr. Toll. So fängt die Geschichte ja toll an…
Ratet mal was er gesagt hat? Also, er hätte jetzt die Aufstellung seinerseits fertig. Er hätte meine Aufstellung aber nicht mehr. Sei verloren gegangen. Ich solle sie ihm nochmals schicken. Und da wären wir also wieder bei Punkt 4 angelangt und das Spiel soll wieder von vorne losgehen? Bei mir brennt echt die letzte Sicherung durch…. habe ihm dann ziemlich aufgebracht klargemacht dass das Spielchen dass er da gedenkt mit mir zu spielen nun vorbei sei.
Tja, was macht er? Er hängt wortlos auf.
Ich hab ihm jetzt als allerletzte Aktion die Aufstellung nochmals zugeschickt. Und ihm auch probiert klarzumachen, dass er mir hier keinen Gefallen macht, sondern eigentlich nur seiner Pflicht als Schuldner nachkommen sollte. Und dass ich deshalb auch keine weiteren Konditionen seinerseits wann/wie/ob/wieviel er mir bezahlt, akzeptieren werde.
Ich bin mir jetzt schon sicher, dass er kein Wort davon verstanden hat….
to be updated….